Content Hub Powertage

Mein Account

Sprache

Powertage-Story Powertage 2026

Kleine grosse Beiträge zur Energiesystem-Transformation

Die Transformation in der Praxis: Der dritte Powertage-Tag widmet sich der konkreten Umsetzung der Energiewende. Im Kern geht’s um die Kraft im Kleinen.

Powertage

Text: Bruno Habegger /energieinside.ch

In den Anfängen der Stromwirtschaft blieb Elektrizität ein lokales Gut. Übertragen wurde nur über kurze Distanzen. Kleine Kraftwerke und Inselnetze prägten die Versorgung. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurden lange Leitungen möglich: Hochspannung und Transformatoren reduzierten die Verluste. In den USA hatte sich im «Stromkrieg» der Wechselstrom durchgesetzt. Am Anfang des 20. Jahrhunderts folgten die ersten Grosskraftwerke. Für sie musste das Netz erst gebaut werden, zunächst regional. Erst ab den 1950er-Jahren wurden die Schweizer Netze schrittweise zusammengeschaltet und mit dem Ausland verbunden.

Heute dreht die Entwicklung erneut. Eine CO₂-neutrale Schweiz braucht ein dezentrales System, das erneuerbare Produktion und neue Verbraucher integriert – und Flexibilität nicht nur in grossen Anlagen sucht, sondern auch im Kleinen nutzbar macht.

Was Flexibilität heisst

Die Energie-System-Transformation ist kein klar definiertes Grossprojekt. Sie verteilt sich über Tausende von Anlagen, Gebäuden, Netzknoten und Nutzerentscheidungen. Je mehr erneuerbare Produktion ins System kommt, desto weniger folgt Strom dem klassischen Muster der Grosskraftwerke. Stattdessen wird die Erzeugung dynamischer, etwa abhängig vom Wetter. Flexibilität entsteht dezentral – gelenkt durch viele kleine und einige grosse Stellhebel.
Flexibilität bedeutet: Leistung hochfahren, runterfahren, verschieben, speichern – oder auch einmal bewusst nicht verbrauchen. Im künftigen Energiesystem wird nicht nur geliefert, sondern laufend ausbalanciert. Das passiert auf verschiedenen Zeitskalen: Sekunden bis Minuten für die Frequenz, Stunden bis Tage für Solarspitzen, Wochen und Saisons für längere Flauten. Für jede Skala braucht es passende Werkzeuge. Und genau hier zeigt sich: Kleine und grosse Flexibilitäten sind kein Gegensatz, sondern Teil des neuen erneuerbaren Energiesystems.

Zusammenarbeit in der Praxis

Es sind viele Akteure und Technologien, die im neuen Energiesystem mit einem neuen Ansatz integriert werden müssen, der auf kleinen und grossen Flexibilitäten basiert. Ob es ein Elektroauto ist, das sich über Nacht auflädt, oder eine gut eingestellte Wärmepumpe oder ein Gebäude mit Energiemanagement-System (EMS): Das neue Energiesystem ist eine fein eingestellte Energiemaschine, in der auch grosse Flexibilitäten ihre Wirkung entfalten. Rechenzentren, grosse Batteriespeicher, Pumpspeicher-Kraftwerke oder Power-to-X-Anlagen etwa. Sie können grosse Mengen Energie verschieben, schneller reagieren und sind oft leichter in Märkte integrierbar. Gerade Batteriegrossspeicher zeigen, wie stark ein einzelnes Asset die Netzstabilität unterstützen kann: Frequenzhaltung, Spitzenkappung, Engpassmanagement – alles in einem. Vieles muss zusammenpassen. Es braucht Digitalisierung, Standards und Anreize, etwa mit dynamischen Tarifen und netzdienlichen Anlagen. Das Verschieben von Lasten muss echte Vorteile bringen und so nebenbei das Netz stabil halten. Entscheidend ist das Zusammenspiel. Kleine Flexibilitäten sind nah am Verbrauch und damit ideal, um lokale Netze zu entlasten. Grosse Flexibilitäten wirken systemweit und können Schwankungen im Gesamtsystem abfangen. Wenn beides sauber zusammenspielt, sinken die Kosten der Transformation. Sie ist mit Intelligenz möglich: Jüngst am 23. Mai 2026 um 12 Uhr wurde gemäss Swiss Energy Charts 94 Prozent des gesamten Stromverbrauchs der Schweiz von Solarstrom gedeckt. 

Am Ende ist die Energie-System-Transformation ein Koordinationsprojekt. Erfolgreiche Projekte entstehen nicht nur durch Technologie, sondern durch das Zusammenspiel von Akteuren, Prozessen und Rahmenbedingungen. Diese Erfahrungen werden im Forum des dritten Powertage-Tags gebündelt und miteinander verknüpft.

Drei Projekte im Realitätscheck

Drei Projekte der Energiesystemtransformation werden am 18. Juni, ab 9 Uhr einem Realitätscheck unterzogen und in einer anschliessenden Diskussion die Erfolgsfaktoren der dezentralen Beiträge ans neue Energiesystem benannt.

Der Windpark Uri beispielweise gilt als Erfolgsmodell. energieUri begann 2019 mit seiner Entwicklung, seit November 2025 ist er in Betrieb. Zwei Windräder mit einer Gesamtleistung von 4,6 Megawatt erzielen eine Jahresproduktion von circa 8,5 Gigawattstunden erneuerbarer Energie. «Die neuen Windräder liefern mit einem Winteranteil von rund 60 Prozent wichtige Energie in der kalten Jahreszeit – genau dann, wenn solcher erneuerbarer Strom benötigt wird», sagte Werner Jauch, Verwaltungsratspräsident der Windpark Uri AG, an der jüngsten Generalversammlung. Wie der Bau des Windparks im zweiten Anlauf gelang, zeigen er und Olivier Waldvogel, Verantwortlicher Geschäftsstelle Deutschschweiz des Verbands Suisse Eole, auf.

Das preisgekrönte Projekt Papieri Cham – das erste 2000-Watt-Areal im Kanton Zug – zeigt das heutige Potenzial der Kleinwasserkraft. Fast die Hälfte des Strombedarfs vor Ort für Wohnen und Arbeiten wird mit Wasserkraft und Photovoltaik produziert. Das bestehende Flusskraftwerk in der Lorze – vor über 360 Jahren konzessioniert – liefert jährlich 1’250 MWh Bandlast-Strom. Die Photovoltaik-Anlagen tragen im Endausbau weitere 1’110 MWh bei. Fernando Binder, Geschäftsführer fmb-ingenieure.ch, und Martin Bölli, Geschäftsleiter Swiss Small Hydro, stellen das Projekt vor, zu dem die Kleinwasserkraft einen wesentlichen Beitrag leistet: Der verhältnismässig konstante Strom trägt besonders im Winter zur Autarkie des Areals bei.

Das seit Herbst 2022 geplante und bereits bewilligte Innovationsprojekt Morgeten soll dereinst 12 Millionen kWh Solarenergie aus den Berner Alpen liefern und befindet sich nach wie vor – trotz bereits erteilter Baubewilligung – in einer weiteren gerichtlichen Zwangspause. Im Herbst 2025 erzwang eine weitere Beschwerde den Gang vors Verwaltungsgericht. Die Planungen gehen weiter. Warum Aufgeben keine Option ist, erklären Initiant Christian Haueter und Matthias Egli, Geschäftsführer Swissolar.

Zum Programm des dritten Powertage-Tags

Ihre Kontaktperson

Dominique Farner

Dominique Farner

Marketing & Communications Manager

Beitrag teilen

Zugehörige Themengebiete (3)