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Grossbatteriespeicher für Mehrfamilienhäuser: Ein Projekt in Schwyz zeigt, wie es geht

Die Energiewende findet nicht nur in Kraftwerken statt. Sie beginnt direkt vor unserer Haustür. In der Gemeinde Schwyz entstand kürzlich ein Vorzeigeprojekt, das zeigt, wie Mehrfamilienhäuser mit intelligenter Speichertechnologie zu aktiven Teilnehmern im Stromnetz werden können.

EWS AG
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Wenn Mehrfamilienhäuser zu Energiezentralen werden

Immobilienverwaltungen stehen vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits steigen die Anforderungen an nachhaltige Gebäudetechnik, andererseits wächst der Druck, Betriebskosten zu optimieren. Das Projekt an der Rubiswilstrasse verbindet beide Ziele und geht sogar noch einen Schritt weiter.

Auf den Mehrfamilienhäusern produzieren Photovoltaikanlagen mit je 50 kW AC-Nennleistung sauberen Solarstrom. Das Besondere: Ein zentraler Batteriespeicher mit 200 kWh Kapazität speichert überschüssige Energie und gibt sie bei Bedarf wieder ab. Mit einer Lade- und Entladeleistung von 60 kW reagiert das System schnell auf wechselnde Lastanforderungen.

«Wir schaffen hier nicht einfach eine Photovoltaikanlage mit Speicher. Wir haben hier ein System gebaut, das aktiv zur Netzstabilität beiträgt.» – Tobias Mettler, Projektleiter Netz- und Infrastrukturbau EWS AG

Netzdienliche Speicher: Mehr als nur Eigenverbrauch

Klassische Heimspeicher optimieren den Eigenverbrauch einer Liegenschaft. Der Batteriespeicher an der Rubiswilstrasse kann mehr: Einerseits dient der Energiespeicher als Eigenverbrauchsoptimierung und er ist so konzipiert, dass er Energie ins Netz von SwissGrid abgeben kann. Diese netzdienliche Funktion macht das System zu einem wichtigen Baustein für die Frequenzstabilisierung und Regelenergie.

Was bedeutet das konkret für Immobilienverwaltungen?

  • Lastspitzen reduzieren: Der Speicher fängt Verbrauchsspitzen ab und senkt damit die Leistungskosten.
  • Eigenverbrauchsoptimierung: Solarstrom wird gespeichert, statt ihn zu Tiefpreisen ins Netz einzuspeisen.
  • Zusätzliche Einnahmen: Durch die Bereitstellung von Regelenergie entstehen neue Erlösquellen.
  • Zukunftssicherheit: Das System ist auf Erweiterung ausgelegt und wächst mit den Anforderungen.

E-Mobilität inklusive: Ladeinfrastruktur für die Tiefgarage

Die Energiewende betrifft einerseits den Gebäudebetrieb, als auch die Mobilität der Bewohnerinnen und Bewohner. Deshalb umfasst das Projekt eine Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in der Tiefgarage.

Technische Eckdaten der E-Ladeinfrastruktur:

  • 18 Parkplätze mit Ladepunkten
  • Erweiterbar bei steigendem Bedarf
  • Integration ins Gesamtenergiesystem der Liegenschaft

Die Kombination aus Solar-Anlage, Batteriespeicher und E-Ladeinfrastruktur ermöglicht perspektivisch auch bidirektionales Laden. Bei diesem Konzept, auch V2G (Vehicle-to-Grid) genannt, können Elektrofahrzeuge auch als mobile Speicher dienen und Energie zurück ins Gebäude oder Netz speisen. Dazu benötigt es eine spezielle Ladesäule, die in diesem Projekt jedoch nicht eingebaut wurde.


Projektübersicht: Fakten auf einen Blick

Komponente Spezifikation
PV-Anlage 2 × 50 kW AC-Nennleistung
Batteriespeicher 200 kWh Kapazität
Lade-/Entladeleistung 60 kW
E-Ladeplätze Bis zu 18 (erweiterbar)
Bauzeit Mai 2025 – Oktober 2025

Gebündelte Kompetenz: So arbeitet das Team Rot zusammen

Ein Projekt dieser Komplexität erfordert die Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche. Bei der EWS AG arbeiten interne Abteilungen eng mit externen Partnern zusammen. Von der Planung bis zur Inbetriebnahme.

Interne Abteilungen:

  • Erneuerbare Energien: Gesamtprojektleitung und Koordination, Montage PV-Anlage
  • Elektro Ibach: Projektleitung Elektroinstallation und E-Mobilität
  • Schaltanlagenbau: Neubau der Unterverteilung für PV und E-Mobilität
  • Netz- und Infrastrukturbau: Einzug und Anschluss der Zuleitungskabel, Montage Batteriespeicher

Externe Partner:

  • Holzbau Lüönd: Unterstützung bei der Montage der PV-Anlage
  • Nideröst Gärtnerei: Tiefbauarbeiten für die Leitungsführung

Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit stellt sicher, dass alle Komponenten optimal aufeinander abgestimmt sind. Für Immobilienverwaltungen bedeutet das: ein Ansprechpartner, der das gesamte Projekt koordiniert.

Warum Batteriespeicher für Mehrfamilienhäuser jetzt sinnvoll sind

Der Flexibilitätsbedarf im Schweizer Stromnetz steigt kontinuierlich. Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien schwankt die Stromproduktion stärker als früher. Batteriespeicher gleichen diese Schwankungen aus und schaffen Mehrwert auf verschiedenen Ebenen.

Für die Liegenschaft:

  • Höherer Eigenverbrauchsanteil des selbst produzierten Stroms
  • Unabhängigkeit von steigenden Strompreisen
  • Wertsteigerung der Immobilie durch moderne Energieinfrastruktur

Für die Bewohnerinnen und Bewohner:

  • Günstigerer Strom durch Eigenproduktion
  • Lademöglichkeit für Elektrofahrzeuge
  • Beitrag zum Klimaschutz ohne Komfortverlust

Für das Stromnetz:

  • Entlastung bei Lastspitzen
  • Beitrag zur Frequenzstabilisierung
  • Unterstützung der Energiewende auf lokaler Ebene

Technologie im Einsatz: Lithium-Ionen mit LFP-Technologie

Der eingesetzte Batteriespeicher basiert auf Lithium-Ionen-Technologie mit LFP-Zellen (Lithium-Eisenphosphat). Diese Technologie bietet für den Einsatz in Wohngebäuden entscheidende Vorteile.

Vorteile der LFP-Technologie:

  • Hohe Sicherheit: Keine Brandgefahr durch thermische Instabilität
  • Lange Lebensdauer: Über 6000 Ladezyklen möglich
  • Hoher Wirkungsgrad: Rund 95 Prozent der gespeicherten Energie stehen wieder zur Verfügung
  • Nachhaltigkeit: Keine seltenen Erden wie Kobalt erforderlich

Die modulare Bauweise des Speichers ermöglicht zudem eine spätere Skalierung. Sollte der Energiebedarf der Liegenschaft steigen, lässt sich die Speicherkapazität erweitern.

Der Weg zum eigenen Speicherprojekt

Sie verwalten Mehrfamilienhäuser und interessieren sich für eine ähnliche Lösung? Das Projekt an der Rubiswilstrasse zeigt, dass die Technologie ausgereift und wirtschaftlich sinnvoll ist. Entscheidend für den Erfolg ist eine sorgfältige Planung, die alle Komponenten aufeinander abstimmt.

Typische Schritte auf dem Weg zum Batteriespeicher:

  • Bedarfsanalyse: Wie hoch ist der Stromverbrauch? Gibt es bereits eine Photovoltaik-Anlage?
  • Machbarkeitsstudie: Welche Speichergrösse ist sinnvoll? Welche Anschlussleistung ist möglich?
  • Wirtschaftlichkeitsberechnung: Wie schnell amortisiert sich die Investition?
  • Planung und Bewilligung: Welche Genehmigungen sind erforderlich?
  • Umsetzung: Installation durch erfahrene Fachleute
  • Betrieb und Wartung: Langfristige Betreuung für optimale Performance

Fazit: Batteriespeicher bei Mehrfamilienhäusern sind dreifach sinnvoll

Das Projekt an der Rubiswilstrasse ist ein Beispiel dafür, wie Immobilien zu aktiven Teilnehmern der Energiewende werden können. Mit der Kombination aus Photovoltaik, Batteriespeicher und E-Ladeinfrastruktur entsteht ein System, das ökologisch und ökonomisch überzeugt.

Für Immobilienverwaltungen bietet sich die Chance, ihre Liegenschaften zukunftssicher aufzustellen und gleichzeitig einen Beitrag zur Netzstabilität zu leisten. Die Technologie ist da, die Wirtschaftlichkeit stimmt. Jetzt geht es um die Umsetzung.

Ihre Kontaktperson

Adrian Föhn

Adrian Föhn

Leiter Netz- und Infrastrukturbau

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